Der Wald ist Schweigen

Hm.
Leider auch schon wieder so ein Buch, wo ich mich frage, was da eigentlich „alle“ dran finden. So richtig warm geworden bin ich nicht mit diesem hochgelobten Krimidebüt von Frau Klönne. Als „eindringlich“ wurde dieser Roman von der Presse beschrieben, als „abgründig“, als „vielschichtig“ und „nervenzerfetzend“.

Ich falle halt immer auf sowas rein.

Leider konnte ich aber keins der Attribute nachvollziehen. Die Sprache ist durchweg klar, aber nur mäßig spannungserzeugend. Auch der Plot besticht nicht gerade durch Hochspannung. Ich fand ihn sogar so uninteressant, dass ich vergleichsweise lange für dieses Buch gebraucht habe (nämlich fast 6 Tage für ca. 350 Seiten).
Dieser Plot geht so: Eine von Krähen angefressene Leiche wird in einem Hochsitz im Wald gefunden – guter Einstieg, aber Chance verspielt! Was dann folgt, ist teils einfach nur langatmig, teils unlogisch und teils auch sehr fad: Kriminalhauptkommissarin Judith Krieger bekommt den Fall als „letzte Chance“. Nein, wie dramatisch. Frau Krieger war früher mal eine Ermittlerin mit echtem „Killerinstinkt“, so erfährt der geneigte Leser. Leider ist die Frau Krieger aktuell nur noch das personifizierte Selbstmitleid. Vor 2 Jahren wurde ihr bester Freund und Kollege bei einem Einsatz erschossen, und das hat sie bis heute nicht verdaut – unraelistisch, wenn man mich fragt (Anmerkung: Ich weiß, wie sich schlimme Trauer anfühlt, ich weiß aber auch, dass 2 Jahre Zeit genug sind, um sich im Leben wieder zurecht zu finden, wenn man sich ein bisschen Mühe gibt).

Diese Selbstmitleidigkeit hat mich gewaltig gestört. Auch ansonsten fand ich den Charakter der Judith Krieger nicht gerade sympathsich gezeichnet. Kettenrauchend, ewig jammernd und in der Vergangenheit lebend, eigenbrödlerisch und rechthaberisch. Also da hab ich auch schon sympathischere Romanfiguren kennengelernt. Auch die Zeichnung der übrigen Charaktere fand ich durchweg nicht gelungen. Die übrigen Ermittler sowie Verdächtige blieben mir fremd, ich konnte für keinen weder besonders viel Sympathie, noch Antipathie aufbringen. Schlimmer noch: Sie waren mir gleichgültig.

Der Fall selbst hat mich persönlich leider auch nicht so angesprochen, was den Rest eventuell besser hätte ausgleichen können. Der Ermordete war Lehrer, und wie sich herausstellt, hatte er nicht nur ein Verhältnis mit Schülerinnen, sondern mehrere. Es wird lange Zeit auf der Stelle getreten, nicht hü und nicht hott, sondern penetrant auf der gehörnten Ehefrau als Hauptverdächtige herumgeritten.

Weitere Verdächtige werden in dem sogenannten Aschram gesucht, wobei Frau Klönne es nicht für nötig hält, mal zu erklären, was ein solcher überhaupt ist. Dort haben alle „Bewohner“ indische Namen, meditieren, legen tarotkarten und verrichten ansonsten Arbeiten wie Schafzucht und Schreinern. Der geneigte Leser kann sich dann selbst zusammenreimen (oder WIkipedia befragen), ob in diesem „Aschram“ nun eine dubiose Sekte ihr Unwesen treibt oder einfach nur Indienfans ein Aussteigerleben führen. Nix Genaues weiß man nicht…

Der Aschram ist deswegen so verdächtigt, weil zum einen die Schülerfreundin des Ermordeten dort lebt, zum anderen weil äh… naja, die Frau Krieger hat das eben einfach im Urin :)
Spannender hätte es werden können (und wohl auch sollen?), als eine zweite Leiche gefunden wird, diesmal die einer jungen Frau. Zumindsest spannt sich so endlich mal der Bogen zu einer zweiten, parallel erzählten „Handlung“ (dh alle 50 Seiten wird kurz eine komplett unverständliche Szene eingeschoben, aus der hervorgeht, dass man in Indien eine junge Frau vermisst). Für mich war dieser „zweite „Handlungsstrang einfach nur überflüssig. An sich ist sowas ja ein geschicktes Krimielement: Eine scheinbar beliebige Parallelhandlung, die dann irgendwann Licht ins Dunkel bringt. In diesem Roman jedoch fand ich das nicht besonders geschickt gemacht. Im Gegenteil, ich fand die Story an den Haaren herbeigezogen und auch „unpassend“. Der „Zusammenhang“ zwischen den beiden Fällen ist völlig konstruiert und nicht eben besonders schlau oder Aha-Effekt-erzeugend.

Geärgert habe ich mich auch über mehrere begonnene Handlungsstränge bzw. Hinweise, die sich dann in Luft aufgelöst haben. Es wird angedeutet, wo nur geht – aber es kommt nichts dabei heraus. Eine Försterin, die jeweils die Leichen findet, fühlt sich bedroht, wird teilweise aber selbst verdächtigt. Der Grund für ihre Annahme, die würde bedroht, wird auch in epischer Länge und Breite dargelegt. Aber nicht nur, dass ich diesen „Grund“ sehr weit hergeholt fand – nein, er löste sich später in Wohlgefallen auf und wurde nie wieder erwähnt. Da komme ich mir als Leser, mit Verlaub und allem Anstand, verarscht vor. Wenn man mir sowas vorsetzt, dann will ich auch, dass am Ende alles feinsäuberlich zusammengesetzt werden kann.

Schlussendlich: Die Auflösung des Falles. Für mich war ab etwa der Hälfte des Buchs klar, wer der Mörder ist. Es war einfach zu „auffallend unaffällig“, wie immer wieder auf diese Person hingewiesen wurde. Das Ende sollte zudem wohl ein furioses Showdown werden, wirkte auf mich aber nicht wie eine Steigerung, sondern eher wie „Bumm-Klatsch-Aus“.

Drei Sterne bekommt dieses Buch von mir – Durchschnitt. Nicht total schlecht, aber auch weit enftrernt von Gut.
Was mir positiv aufgefallen ist: Die Szenen im Wald werden sehr platisch beschrieben, ich sah beim Lesen immer den nebelumhüllten, leicht dämmrigen Wald vor mir, in dem so allerlei Gefahren lauern könnten. Ebenfalls mochte ich, dass auf allzu reißerische Beschreibungen von Leichenfunden etc. verzichtet wurde. Zudem lese ich gerne deutsche Krimis, da ich so ein bisschen Lokalkolorit einfach mag. Leider kam hier nicht allzu viel drin vor, aber ich finde die ganze Atmosphär emeist glaubwürdiger und angenehmer als wenn es vor Detectives und Highways nur so wimmelt :D

Mal sehen, ob ich noch den Folgeband „Unter dem Eis“ lesen werden. Im Grunde bin ich ja schon bedient, aber da in Aussicht gstellt wurde, dass Frau Krieger (die für mich bislang zu den nervtötendsten literarischen Kriminalermitterln gehört) ihr persönliches Tief überwindet, könnte ich mal einen zweiten Versuch wagen (so bald aber wohl nicht).

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5 Kommentare zu “Der Wald ist Schweigen

  1. hi Maren,
    du warst so schnell bei deinem Einkauf:-)
    Henny hatte doch auch schon gesagt, dass der dritte Band der bisher beste von Gisa Klönne ist.
    LG

  2. Ob ich allerdings Bock habe, den noch zu lesen, ist derzeit fraglich ;) Da dies der erste Band der Reihe ist, hab ich eben mit dem angefangen…

    Das obige Buch gehört schon in die Ecke der langweiligsten Krimis, die ich jemals gelesen habe. Ich scheue meistens davor zurück, Autoren noch eine Chance zu geben, von denen mir ien Buch nicht gefallen hat.
    Mal sehen, derzeit sind andere Dinge auf meinem Leseplan wichtige ;)

  3. Geht mir auch so, meistens reicht mir schon ein Buch von jeder Autorin bzw. von jedem Autor. Es gibt ja so viele Bücher….
    Ein gutes Beispiel ist Dan Brown (hoffentlich trete ich nicht schon wieder in ein Fettnäppchen:-) Illuminati fand ich total spannend, Sakrileg dann schon wieder sehr vorhersehbar.
    LG
    P.S.: Gisa Klönne ist einfach eine tolle Frau, habe sie bei einer Lesung erlebt, oder sagte ich das schon? Hm, ich glaube sie plant Richtung Belletristik zu schreiben, also weg von den Krimis, wir werden bestimmt wieder von ihr hören.

  4. Also mir gehts nicht darum, von jedem Autor nur ein Buch zu lesen, das ist vllt falsch rübergekommen. Ich habe alle 15 Brunetti-Krimis gelesen :) Und wenn mir ein AUtor gefällt, lese ich schon mehr oder weniger viel von ihm/ihr. Nur: Wenn mir das erste Buch, das ich lese, nicht zusagt, ist die Chance eher gering, dass ich von diesem Autor nochmal ein zweites lese. Und gerade bei Serien, und seien es nur lose Folgen, lege ich Wert darauf, beim Anfang anzufangen… Was Dan Brown angeht, gebe ich dir vollkommen recht. Nur das ich zuerst Sakrileg gelesen habe und dann Illuminati. Kommt aber wohl aufs Selbe raus ;)

    Ja, du erwähntest mal, dass du auf einer Lesung in München gewesen wärst und das so toll gewesen sei.
    Ich wieß nicht, sie mag ja sympathsich sein, aber je mehr ich über das Buch nachdenke, umso weniger gefällt es mir ;) Gerade hab ich zB „Ausgesetzt“ gelesen von James Nichols. Das beschäftigt mich noch Tage danach, ich denke immer wieder dran, empfehle es weiter usw. Bei „Der Wald ist Schweigen“ war ich eigentlich nur forh, es endlich fertig zu haben…

  5. Ich könnte nie alle Donna Leon – „Brunetti-Geschichten“ lesen, und das obwohl ich zwei oder drei davon kenne und sie auch ganz interessant fand :-)
    Genau kann ich das auch nicht erklären, aber eines meiner Lieblingsbücher ist Siri Hustvedts „Was ich liebte“ und irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass jetzt das neue von ihr „Das Leiden eines Amerikaners“ das toppen kann, ähnlich geht´s mir mit „Der menschliche Makel“ von Philip Roth (kennst du es, so ein tolles Buch, wie ich finde) und dem Nachfolger Exit Ghost. Na ja, meine Zeit ist auch begrenzt, wenn ich mehr davon hätte, würde ich es riskieren :-)
    LG

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