Gedankenhaie

Gedankenhaie Ich hab das Buch ehrlich gesagt nicht so richtig verstanden. Der Anfang ist wirklich extrem gut und fesselnd (und auch genau das, was im Klappentext stand, der mich zum Kauf verleitet hat) gut, aber es driftet dann sehr schnell ist beinahe Fantastische ab. Oder Sci-Fi, ich kenn mich da nicht so aus. Es finden sich sehr viele abstruse und scheinbar sinnlose Handlungen und Hinweise in dem Buch. Man kann schwer zwischen Wahrheit und Traum bzw. Fiktion unterscheiden.

Das Ganze soll wohl als eine Art „Konzeptkunst“ verstanden werden… es finden sich viele „Rätsel“, wobei ich sowas generell nicht so arg mag. Naja, ich fand es um ehrlich zu sein einfach nur verworren und krank. Hat mich leider überhaupt nicht angesprochen, und ich versteh auch nicht ganz, warum es als „Thriller“ beworben wird. Das Buch hat schon einen gewissen Sog, der mich jedoch sehr schnell wieder losgelassen hat, nachdem es so konfus wurde.
Das Buch soll verfilmt werden, hab ich gelesen, und den Film würde ich mir dennoch gerne ansehen. Einfach weil ich mir gut vorstellen kann, dass die geschichte in Bildern viel besser rüberkommt. Mir geht es beim Lesen oft so, dass ich viele kleine Hinweise einfach nicht bemerke (wobei das auch immer aufs Buch ankommt. American Psycho ist auch voll von Andeutungen, Hinweisen und versteckten Bildern, die mir beim Lesen nur so zugeflogen sind). Stellenweise habe ich das Buch als ein wenig an David Lynchs Stil erinnernd empfunden, aber das kommt als Buch einfach nicht so rüber.

Ich kann das Buch nicht so wirklich weiterempfehlen und denke auch nicht, dass ich es behalten werde (obwohl das Cover mal RICHTIG geil ist!)

Der Wald ist Schweigen

Hm.
Leider auch schon wieder so ein Buch, wo ich mich frage, was da eigentlich „alle“ dran finden. So richtig warm geworden bin ich nicht mit diesem hochgelobten Krimidebüt von Frau Klönne. Als „eindringlich“ wurde dieser Roman von der Presse beschrieben, als „abgründig“, als „vielschichtig“ und „nervenzerfetzend“.

Ich falle halt immer auf sowas rein.

Leider konnte ich aber keins der Attribute nachvollziehen. Die Sprache ist durchweg klar, aber nur mäßig spannungserzeugend. Auch der Plot besticht nicht gerade durch Hochspannung. Ich fand ihn sogar so uninteressant, dass ich vergleichsweise lange für dieses Buch gebraucht habe (nämlich fast 6 Tage für ca. 350 Seiten).
Dieser Plot geht so: Eine von Krähen angefressene Leiche wird in einem Hochsitz im Wald gefunden – guter Einstieg, aber Chance verspielt! Was dann folgt, ist teils einfach nur langatmig, teils unlogisch und teils auch sehr fad: Kriminalhauptkommissarin Judith Krieger bekommt den Fall als „letzte Chance“. Nein, wie dramatisch. Frau Krieger war früher mal eine Ermittlerin mit echtem „Killerinstinkt“, so erfährt der geneigte Leser. Leider ist die Frau Krieger aktuell nur noch das personifizierte Selbstmitleid. Vor 2 Jahren wurde ihr bester Freund und Kollege bei einem Einsatz erschossen, und das hat sie bis heute nicht verdaut – unraelistisch, wenn man mich fragt (Anmerkung: Ich weiß, wie sich schlimme Trauer anfühlt, ich weiß aber auch, dass 2 Jahre Zeit genug sind, um sich im Leben wieder zurecht zu finden, wenn man sich ein bisschen Mühe gibt).

Diese Selbstmitleidigkeit hat mich gewaltig gestört. Auch ansonsten fand ich den Charakter der Judith Krieger nicht gerade sympathsich gezeichnet. Kettenrauchend, ewig jammernd und in der Vergangenheit lebend, eigenbrödlerisch und rechthaberisch. Also da hab ich auch schon sympathischere Romanfiguren kennengelernt. Auch die Zeichnung der übrigen Charaktere fand ich durchweg nicht gelungen. Die übrigen Ermittler sowie Verdächtige blieben mir fremd, ich konnte für keinen weder besonders viel Sympathie, noch Antipathie aufbringen. Schlimmer noch: Sie waren mir gleichgültig.

Der Fall selbst hat mich persönlich leider auch nicht so angesprochen, was den Rest eventuell besser hätte ausgleichen können. Der Ermordete war Lehrer, und wie sich herausstellt, hatte er nicht nur ein Verhältnis mit Schülerinnen, sondern mehrere. Es wird lange Zeit auf der Stelle getreten, nicht hü und nicht hott, sondern penetrant auf der gehörnten Ehefrau als Hauptverdächtige herumgeritten.

Weitere Verdächtige werden in dem sogenannten Aschram gesucht, wobei Frau Klönne es nicht für nötig hält, mal zu erklären, was ein solcher überhaupt ist. Dort haben alle „Bewohner“ indische Namen, meditieren, legen tarotkarten und verrichten ansonsten Arbeiten wie Schafzucht und Schreinern. Der geneigte Leser kann sich dann selbst zusammenreimen (oder WIkipedia befragen), ob in diesem „Aschram“ nun eine dubiose Sekte ihr Unwesen treibt oder einfach nur Indienfans ein Aussteigerleben führen. Nix Genaues weiß man nicht…

Der Aschram ist deswegen so verdächtigt, weil zum einen die Schülerfreundin des Ermordeten dort lebt, zum anderen weil äh… naja, die Frau Krieger hat das eben einfach im Urin :)
Spannender hätte es werden können (und wohl auch sollen?), als eine zweite Leiche gefunden wird, diesmal die einer jungen Frau. Zumindsest spannt sich so endlich mal der Bogen zu einer zweiten, parallel erzählten „Handlung“ (dh alle 50 Seiten wird kurz eine komplett unverständliche Szene eingeschoben, aus der hervorgeht, dass man in Indien eine junge Frau vermisst). Für mich war dieser „zweite „Handlungsstrang einfach nur überflüssig. An sich ist sowas ja ein geschicktes Krimielement: Eine scheinbar beliebige Parallelhandlung, die dann irgendwann Licht ins Dunkel bringt. In diesem Roman jedoch fand ich das nicht besonders geschickt gemacht. Im Gegenteil, ich fand die Story an den Haaren herbeigezogen und auch „unpassend“. Der „Zusammenhang“ zwischen den beiden Fällen ist völlig konstruiert und nicht eben besonders schlau oder Aha-Effekt-erzeugend.

Geärgert habe ich mich auch über mehrere begonnene Handlungsstränge bzw. Hinweise, die sich dann in Luft aufgelöst haben. Es wird angedeutet, wo nur geht – aber es kommt nichts dabei heraus. Eine Försterin, die jeweils die Leichen findet, fühlt sich bedroht, wird teilweise aber selbst verdächtigt. Der Grund für ihre Annahme, die würde bedroht, wird auch in epischer Länge und Breite dargelegt. Aber nicht nur, dass ich diesen „Grund“ sehr weit hergeholt fand – nein, er löste sich später in Wohlgefallen auf und wurde nie wieder erwähnt. Da komme ich mir als Leser, mit Verlaub und allem Anstand, verarscht vor. Wenn man mir sowas vorsetzt, dann will ich auch, dass am Ende alles feinsäuberlich zusammengesetzt werden kann.

Schlussendlich: Die Auflösung des Falles. Für mich war ab etwa der Hälfte des Buchs klar, wer der Mörder ist. Es war einfach zu „auffallend unaffällig“, wie immer wieder auf diese Person hingewiesen wurde. Das Ende sollte zudem wohl ein furioses Showdown werden, wirkte auf mich aber nicht wie eine Steigerung, sondern eher wie „Bumm-Klatsch-Aus“.

Drei Sterne bekommt dieses Buch von mir – Durchschnitt. Nicht total schlecht, aber auch weit enftrernt von Gut.
Was mir positiv aufgefallen ist: Die Szenen im Wald werden sehr platisch beschrieben, ich sah beim Lesen immer den nebelumhüllten, leicht dämmrigen Wald vor mir, in dem so allerlei Gefahren lauern könnten. Ebenfalls mochte ich, dass auf allzu reißerische Beschreibungen von Leichenfunden etc. verzichtet wurde. Zudem lese ich gerne deutsche Krimis, da ich so ein bisschen Lokalkolorit einfach mag. Leider kam hier nicht allzu viel drin vor, aber ich finde die ganze Atmosphär emeist glaubwürdiger und angenehmer als wenn es vor Detectives und Highways nur so wimmelt :D

Mal sehen, ob ich noch den Folgeband „Unter dem Eis“ lesen werden. Im Grunde bin ich ja schon bedient, aber da in Aussicht gstellt wurde, dass Frau Krieger (die für mich bislang zu den nervtötendsten literarischen Kriminalermitterln gehört) ihr persönliches Tief überwindet, könnte ich mal einen zweiten Versuch wagen (so bald aber wohl nicht).

Das Serienmörder-Prinzip

Sehr interessantes und gut recherchiertes Buch: Mehr als 15 Jahre befasst sich der Kriminalhauptkommissar Stephan Harbot schon mit dem „Phänomen Serienmord“ und gilt als anerkannter Experte auf diesem Gebiet. Er hat viele Serienmörder im Gefängnis befragt, mit einigen brieflich korrespondiert und seine Ergebnisse ausgewertet.

Das Buch beleuchtet die Hintergründe der Taten, spart dabei aber allzu reißerische Details aus. Es soll informieren und nachdenklich machen, aber keine pure Sensationsgier befriedigen.
Harbort schafft den Spagat zwschischen Distanz und Empathie. Er verharmlost nichts, versucht aber zu zeigen, wie aus (bis zu einem gewissen Grad) „normalen Menschen“ solche „Bestien“ werden konnten und was im Einzelen zum ersten Mord und dann zu weiteren führte.

Das Buch informiert, wühlt auf und macht auch ein wenig Angst.
Einen Punkt Abzug gibt es für eine etwas undurchsichtige Struktur. Ein Namensregister wäre hilfreich gewesen, da die „Fälle“ teils durcheinander abgehandelt werden, es finden sich immer wieder Querverweise im Text auf bereits besprochene Täter, an die ich mich später allein anhand der Namen nicht immer auf Anhieb erinnern konnte.

Tannöd

Ich kriege ja immer alles erst als Letzte mit. So bin ich auf Tannöd ehrlich gesagt nur deswegen aufmerksam geworden, weil ich vor ein paar Tagen mehrfach gelesen habe, die Autorin sei vor Gericht vom Plagiatsvorwurf freigesprochen worden. So erfuhr ich erstmals vom Hinterkaifeck-Fall, bei dem eine ganze Familie ausgelöscht, der Mörder aber nie entlarvt wurde, und davon, dass Tannöd eine literarische Adaption dieses „wahren Falles“ ist. Mein Interesse war sofort geweckt. Für rätselhafte Kriminalfälle mit viel Raum für Spekulationen bin ich ja immer zu haben, also habe ich mir das Buch gekauft.

Die knapp 125 Seiten lassen sich an einem Nachmittag durchlesen. So ganz ist es damit aber noch nicht getan, ich hab wirklich lange nachdenken müssen, was ich jetzt eigentlich über dieses Buch denken soll. Insgesamt halte ich es für überbewertet. Den deutschen Krimipreis für dieses Werk kann ich nicht vollkommen nachvollziehen. Ich will jetzt eigentlich keine Analyse und Diskussion zum Thema „was ist ein Krimi?“ anfangen – aber dieses Buch ist in meinen Augen definitiv keiner. Es ist zu geradlinig erzählt, das nimmt viel Spannung.

Es ist mehr eine Sozialstudie, ein Soziogramm, ein Fallprotokoll. Für einen Krimi fehlt mir einfach der Spannungsbogen, der hier, wenn überhaupt, nur sehr flach gehalten ist. Für einen guten Krimi fehlt mir außer der Spannung auch eine zufriedenstellende und ungewöhnliche Fallauflösung. Diese fand ich sehr platt und voraussehbar und hat mir auch einiges an Spaß an diesem Buch genommen.

Außergewöhnlich fand ich dagegen die geradezu klaustrophobische Atmosphäre, die sich durch das gesamte Buch hindurch zog. Es ist sicherlich keine neue Idee, ein Buch als Aneinanderreihung von Gesprächs- oder Verhörprotokollen zu gestalten. Der besondere Kniff sind die zwischen den Kapiteln/Protokollen eingefügten Gebete aus der „Litanei zum Troste der armen Seelen“. Durch das monoton heruntergebetete und sich ständig wiederholende „Erhöre uns… Erbarme dich“ usw. entsteht eine beklemmende Stimmung, die sich gegen Ende hin mehr und mehr ins beinahe Panische steigert. Spannung erzeugt sich beinahe ausschließlich aus dieser Litanei.

Die Protokolle geben die Aussagen der Dorfbewohner und Nachbarn der Mordopfer wieder. Jeder redet so, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, was das Ganze sehr lebendig macht (wobei ich mir dennoch etwas mehr bayerische Mundart gewünscht hätte, in der bayerischen Provinz redet man einfach kein Hochdeutsch). Jeder weiß etwas mehr beizutragen über diese verrufene Familie, jeder kennt den Dorfklatsch und scheint froh über diese offizielle Möglichkeit, mal so richtig zu tratschen.
Zwischen diesen Protokollen beinhalten die Kapitel kürzere Abschnitte über die Vorgehensweise des Täters, alles in nüchternen und knappen Sätzen. In Kombination mit den Aussagen der Dorfbewohner kann man sich dann so langsam zusammenreimen, um wen es geht – die Auflösung überrascht insofern nicht, da von vornherein keine (falschen) „Spuren“ gelegt oder mehrere Möglichkeiten angeboten werden.

Ich muss sagen, im Nachhinein denke ich etwas besser über das Buch als vor 1 Woche, als ich es gelesen habe. Man muss es ein wenig auf sich wirken lassen. Offenbar haben einige Kritiker es zu lange wirken lassen, denn all diese Lobeshymnen und Auszeichnungen kann ich dennoch nicht recht nachvollziehen. Allein die unkonventionelle Atmosphäre macht noch kein gutes Buch aus. Der fast völlig fehlende Spannungsbogen und insbesondere die Auflösung des Falles auf die meiner Meinung nach dümmste, platteste und langweiligste Art und Weise stehen der spannenden Atmosphäre leider sehr negativ gegenüber und lassen das Buch ein wenig amateurhaft wirken. Schade – aber eventuell wäre es den Versuch Wert, mal das zweite Buch von Andrea Maria Schenkel zu lesen.

Pferde stehlen

Ich muss leider sagen: Dieses Buch hat mich so derart gelangweilt, dass ich vorhin in der Bahn lieber den Beipackzettel meiner Kontaktlinsenlösung gelesen habe.

Gekauft habe ich es wegen des tollen Covers, weils ein ME war (das ich aber sowieso gekauft hätte) und weil das mit dem „wohlgehüteten Lebensgeheimnis“ so spannend klang. Das Lebensgeheimnis enthüllt sich recht unspektakulär in Rückblicken etwa nach de Hälfte des Buches und war für mich zumindest sehr vorhersehbar.

Irgendwie bin ich nicht wirklich warm geworden mit dem Buch, dem Erzähler und seinem Leben. Ich habs dann ab etwa 2/3 nur noch überflogen und schlussendlich abgebrochen. Wahrscheinlich fehlt mir einfach der Intellekt dazu, aber ich mag keine Bücher, in denen nichts passiert, sondern nur gelabert erzählt wird. Es muss keine Superspannung sein, aber mir gibt es einfach nichts, seitenweise Referate über die Gedaken- und Gefühlswelt des Erzählers oder Protagonisten zu lesen, ohne dass die Handlung dadurch auch nur im Mindesten vorangetrieben wird (sofern überhaupt eine vorhanden ist). Leider falle ich immer wieder drauf rein. Zwar allmählich seltener, da ich einen Riecher für solche Bücher entwickelt habe, aber doch ab und zu noch.

Als Ausschlusskriterium sollte ich noch TV-Journalistinnen aufnehmen, die das Buch superdoll finden und dies auch in den Klappentext schreiben.

PS: Über Tannöd schreib ich auch nochmal was, aber da muss ich mich erst nochmal ein Weilchen sammeln und in mich gehen :)