„Klassiker“

Hachachach!

Ich muss sagen: Einen solchen Schmachtfetzen hab ich meines Wissens noch nie gelesen (oder wenn doch, dann hab ichs verdrängt). Aber erstens hatte ich mal Bock, was „über Australien“ zu lesen, zweitens hat das Buch nur 6 Euro gekostet, und 3. war ich schon vor dem Lesen mit der Materie bestens vertraut, da meine Mutter soch seit über 20 Jahren jede Dornenvögelwiederholung im Fernsehen anschaut. Ich selbst habe den Film noch nie gesehen. Erst durfte ich nicht, dann wollte ich nicht bzw. hatte einfach immer Besseres zu tun.
Nun, offen gestanden: Das Buch ist irgendwie ziemlich schlecht. Den Schreibstil hatte ich mir schlimmer vorgestellt, das war also okay. Aber die Personen… mei! Meggie Cleary die fleischgewordene Naivität, die dann später zur toughen Übermutter aufblüht, sich jeglicher Konsequenz mit einem Priester einlässt und dann doch immerzu mit dem Schicksal hadert. Pater Ralph hingegen ein Waschlappen sonderngleichen und unglaubwürdig noch dazu.

Aber dennoch, ich muss es zugeben: Das Buch hat mir gefallen! Mir hat die Beschreibung des Farmlebens in Australien gefallen, die Beschreibung der Australischen Landschaften, und was ich ganz besonders mochte, das ist dieses „Familiensaga-Element“. Die Geschichte fängt an, als die Hauptperson ein Kind ist und hört auf als sie schon fast ne Oma ist. Ich glaube, es ist ganz schön schwierig, eine Geschichte als EINE Geschichte über einen so langen Zeitraum hinweg halbwegs konsistent zu erzählen und die ganzen kleinen Geschichten drumherum und nebebei auch noch so unterzubringen, dass sie ein gewisses Gewicht erhalten, aber nicht von der Hauptstory ablenken.

Das hat mir alles so gut gefallen, dass ich heute in die Buchhandlung meiner Wahl marschiert bin und das erste Mal in meinem Leben eine Buchhändlerin um Rat gefragt habe. Ich mach das sonst nie, weil ich immer weiß, was ich will oder es einfach slebst herausfinden will. Die Dame kannte sich leider weder mit Australien, noch mit Sagas aus, schleppte mir dann aber doch erstaunlich treffsicher allerhand Australienromane an. Ich hätt ja am liebsten die Hälfte davon mitgenommen, habe es dann aber bei einem gelassen, da ich jetzt noch nicht sagen kann, ob ich nach 2 Australienromanen schon einen Knall bekomme und das Ganze satt habe. Patricia Shaws Südland dufte schließlich mit, und das fange ich voraussichtlich nächste Woche an. Habe vor 2 Tagen ein Buch geschenkt bekommen, das sich wohl eben so herunterlesen lässt, und dem werde ich wohl den Vorzug geben.

Aber was ich noch sagen wollte: Empfehlt mir Australienfamiliensagas!!
Notfalls auch außerhalb Australiens, aber gerne mit „historischem“ Hintergrund. Kolonialzeit, Auswandern und so. Hauptsache kein Mittelalter und keine Hebammen :)
Und bitte nix von Nora Roberts oder Judy Lennox und Konsorten…

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9 Kommentare zu “„Klassiker“

  1. Traumzeit von Barbara Wood. Oder gehört die auch zu „Konsorten“? :D Oder kennst du das schon? Irgendwie meine ich, wir hätten uns vielleicht darüber schonmal unterhalten. Ziemlicher Schnulz und ganz gewiss keine hohe Literatur, aber könnte schon irgendwie in die Kategorie von Dornenvögel passen (Dornenvögel kenne ich allerdings nicht, und dass ich Traumzeit gelesen habe dürfte auch schon 15 Jahre her sein).

  2. Ah nee… die gehört nicht so den Konsorten ;D Ist aber für Außenstehende wirklich schwer zu verstehen, was ich damit meine, ich kanns auch nicht wirklich erklären.

    Sehr gut, Barbara Wood hatte ich ganz vergessen! Ich hab schon einiges von ihr gelesen, die Traumzeit allerdings tatsächlich noch nicht. Ich fand die ganz gut, es ist halt nichts Hochgeistiges, aber sicherlich immernoch äh… „gehobener“ als die Dornenvögel. Da gings glaub ich wirklich nur darum, auf 850 Seiten so viel Pathos wie möglich unterzubringen. ;)

  3. Ach ja und dann noch „Land der Dornen“ von Collen McCullough und viele nennen auch immer wieder die Romane von Patricia Shaw wenn es um Australische Familiengeschichten geht, so z.B. ihren Roman „Südland“, oder „Wie Sand am Meer“ von Catherine Gaskin, oder die Familien-Saga-Trilogie von Peter Watt „Weit wie der Horizont“ „Wer dem Wind folgt“ und „Auf den Flügeln des Adlers“ … ich schätze das reicht an Vorschlägen, oder? ;o)

  4. Liisa: Grenville habe ich mir vorgemerkt, das hatte mir die Buchhändlerin auch angeschleppt. Letztlich ist es dann wie gesagt ein Roman von Patricia Shaw geworden, den ich nachher noch anfange.

    Gaskin und Watt sind mir jetzt noch völlig unbekannt, ich schau gleich mal bei Amazon nach :)

  5. Der Australien-Klassiker ist aber eindeutig „Traumpfade“ von Bruce Chatwin, Land und Leute wie sie wirklich sind und gute Literatur zugleich. Kann aber voll verstehen, was dich an den Dornenvögeln so fasziniert hat und wenn du mal in Richtung Schottland willst, also Highlands und oder Stonehenge, dann musst du unbedingt Feuer und Stein von Gabaldon lesen. Ich höre schon alle aufschreien, aber vertrau mir, du wirst begeistert sein und kannst nicht mehr aufhören zu lesen…
    LG

  6. @ Heike: Nein, nein, nein!
    Ich vertraue dir NICHT! Weil nämlich: Ich kenne Gabaldon schon. Oder zumindest 200 Seiten ungefähr. Und das war das Übelste, was ich je gelesen habe – konnte sogar sehr gut wieder damit aufhören. :) Gabaldon steht wirklich GANZ GANZ oben auf meiner „Was ich mir niemals antun würde“-Liste ;)

  7. lol – na dann warst du vielleicht zu der Zeit als du Gabaldon gelesen hast ganz anders drauf als jetzt wo dir McCullough gefällt, kann das sein? Ich habe schon gesehen, dass du Gabaldon auf deine „Anti-Liste“ gesetzt hast ;-) Aber der Stil ist doch sehr ähnlich, wie wäre es mit noch einmal 200 Seiten? LG

  8. Naja, die Dornenvögel fand ich objektiv gesehn auch nicht wirklich gut. Die ganzen sehr detaillierten kitschigen Fummelszenen hätte man meinetwegen auch weglassen können. Aber wie gesagt: das sind DIE DORNENVÖGEL, quasi ein Klassiker der Literatur, den ich nun endlich mal gelesen haben wollte (wo ich schon dne Film nicht kenne). Was mir letztlich gefallen hat, war das Australische und das Familiensagamäßige.
    Gabaldon tu ich mir keine halbe Seite mehr an ;) Mich hat an dem Buch der überaus „billige“ Stil genervt und die Tatsache, dass die ganze Handlung mehr oder weniger aus Sexszenen bestand. Dazwischen passierten dann ein par Dinge wie zB Kriegsschlachte, damit Jamie und Dingdsa einen Grund hatten, wieder miteinander in die Kiste zu steigen. Noch dazu fand ich das alles auch ziemlich schlecht recherchiert, und historische Fakten wurden mal nach Gutdünken zurechtgebogen.

    Neenee, also das geht bei mir echt gar nicht. Zu viel ist zu viel und Dornenvögel II würd ich vermutlich auch gar nicht verkraften, deswegen hoffe ich, dass es bei Shaw etwas gemäßigter zugeht.

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