Über Bord

Ingrid Noll ist bei mir eine sogenannte “Auto-Buy Autorin”. Das heißt, wenn ein neues Buch von ihr erscheint, wird das automatisch von mir gekauft/gelesen, weil ich mich darauf verlasse, dass von dieser Autorin etwas Gutes kommt bzw mich ihr Stil und ihre Geschichten ansprechen. Noll ist für mich eine geniale Autorin, die bitterböse Krimis schreibt, welche nicht von brutalem Mord und Totschlag leben oder von egozentrischen Ermittlern, sondern auf geradezu gelassene Art und Weise richtig perfide sind. Ich mag es, wie sie ihren Figuren Leben einhaucht und sie alle behandelt als seien es ihre eigenen Kinder. Ihre Romane Der Hahn ist tot und Die Apothekerin gehören zu meinen liebsten Lieblingsbüchern und den von mir am meisten gelesenen (ich lese selten ein Buch mehr als einmal, und wenn ich es tue, dann will das schon was heißen).

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Soap

Wenn ein Drehbuchautor der Lindenstraße ein Buch geschrieben hat, dann muss ich das lesen. Auch wenn ich seit Jahren über die immer schlechter werdenden Drehbücher motze. Lindenstraße gucke ich seit der ersten Folge, das ist für mich eine Institution. Der Autor von “Soap” schreibt seit Jahren mit an den Drehbüchern der Lindenstraße, und auf Facebook erzählte der Lindenstraßendarsteller Erkan Gündüz von dem Buch. So wurde ich überhaupt erst darauf aufmerksam.

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Bei Hitze ist es wenigstens nicht kalt

Obwohl mir schon “Kein Wort zu Papa” nicht mehr so richtig gut gefallen hatte, habe ich mir auch das neue Buch von Dora Heldt wieder gekauft, die sich mit ihrer lockeren Romanserie um Christine und ihren Papa Heinz in die Riege meiner Lieblingsautorinnen geschrieben hatte. Irgendwann sind aber auch die besten Ideen ausgelutscht. Ich hatte gar nicht mitbekommen, dass “Bei Hitze ist es wenigstens nicht kalt” diesmal nicht um einen Roman der Christine-Reihe handelt. Diese kommt zwar auch vor, aber erst recht spät und nur als Nebenfigur. Ich mag ja solche Cameoauftritte in Büchern total gerne ;)

Der Roman handelt von dem Freundinnen-Trio Doris, Anke und Katja, die sich seit der Schule kennen und inzwischen steil die 50 anpeilen. Dorissens 50. steht bevor, was die Dame in eine mittelschwere Krise stürzt. Nicht nur dass sie auf ein strunzlangweiliges Leben zurückschauen muss und mit menopausebedingten Hitzewallungen zu tun hat, nein – jetzt wird sie auch noch FÜNFZIG, und somit ist ihr Leben quasi eh vorbei. Um sich nochmal jung und dicht so alleine zu fühlen, entflieht sie der vom Gatten organisierten Überraschungsparty und mietet sich mit den 2 besten Freundinnen von früher in einem Wellnesshotel an der Ostsee ein. Das Buch besteht zu weiten Teilen aus dem Demonstrieren der totalen Gegensätzlichkeit der drei Frauen und auch der unterschiedlichen Art, wie sie mit dem Altern umgehen. Die schnippische Anke, der das alles egal ist und die sich ohnehin nichts aus Äußerlichkeiten macht. Die kokette Katja, die als Fernsehmoderatorin sowieso darauf geeicht ist, auf ihr Äußeres zu achten und die sich zwar einerseits mit Botoxspritzen und Sport quält, sich andererseits mit einem 20 Jahre jüngeren Liebhaber belohnt. Und die etwas nervige und weinerliche Doris, der es an Selbstbewusstsein mangelt.

Ich fand das Buch ganz nett zu lesen,auch wenn ich sicherlich  nicht so ganz zur Zielgruppe gehöre. Es ist ein netter kleiner Roman ohne größere Höhen und Tiefen, leider auch ohne den Heldtschen Witz, den ich aus ihren älteren Romanen so liebe. Das Buch lebt vor allem von den Charakteren, die ich auch alle gut dargestellt fand. Doris war mir leider furchtbar unsympathisch. Aber die beiden anderen Freundinnen mochte ich jede auf ihre Weise. Es besteht ja zwischen langjährigen Freunden oftmals so eine gewisse Dynamik, die war hier gut dargestellt.

Sicher kein Buch, das man lesen muss, aber durchaus nette Lektüre ohne Anspruch für zwischendurch. Für Frauen um die 50 sicherlich interessanter als für mich.


Dora Heldt – Bei Hitze ist es wenigstens nicht kalt
Deutscher TaschenbuchVerlag, Oktober 2011
ISBN 3423248572
336 Seiten
14,90 Euro

Der Fall Collini

Nachdem mich von Schirachs Erzählbände Verbrechen und Schuld sehr beeindruckt hatten, war ich auf seinen ersten Roman natürlich sehr gespannt. Die Erwartungen waren hoch, und zumindest was seine Erzählkunst betrifft wurden sie auch erfüllt. Ich kann nur wiederholen, was ich schon zu Verbrechen gesagt habe: Präzise, schnörkellos und ungeschönt. Von Schirach sagt, was er zu sagen hat und lässt alles Überflüssige weg. Trotzdem oder vielleicht auch gerade deswegen haftet seinen Texten eine merkwürdige Poesie an, die mich beim Lesen in ihren Bann zieht.

Leider hat mich die Geschichte als solche eher gelangweilt, nachdem recht schnell klar wurde, worum es geht: Zunächst weiß man nur, dass ein betuchter älterer Herr, der sich in der Vergangenheit als erfolgreicher Unternehmer einen Namen gemacht hat, ohne erkennbaren Grund von einem ehemaligen italienischen Gastarbeiter  brutal ermordet wurde. Der Täter Collini streitet die Tat nicht ab, sondern stellt sich der Polizei, lehnt aber ansonsten jede Aussage oder Begründung ab. Der junge und noch unerfahrene, aber begabte Anwalt Caspar Leinen wird als sein Pflichtverteidiger bestellt. Er legt sein Mandat trotz erheblicher innerer Konflikte auch dann nicht nieder, als er erfährt, wer genau das Mordopfer war: Der Großvater seines verstorbenen Jugendfreundes, mit dessen Familie er aufgewachsen ist und mit der er nur gute Erinnerungen verknüpft. Er kann sich nicht vorstellen, was Hans Meyer getan haben könnte, um einen derartigen Hass auf sich gezogen zu haben. Zumal Collini hierzu zunächst hartnäckig schweigt.

Durch geschickte Recherchen findet Leinen schließlich doch die Verbindung. Es kommt zum Prozess, und weite Teile dieses Kurzromans sind Leinens Schilderungen vor Gericht. Er beschreibt weit zurückliegende Geschehnisse in den 40er Jahren, während des 2. Weltkrieges. Ab da habe ich innerlich nur noch mit den Augen gerollt, denn ganz ehrlich: ich finde Kriminalromane, die die deutsche Nazivergangenheit aufarbeiten sterbenslangweilig. Davon hat es genug gegeben, eine literarische Auseinandersetzung mit der Thematik mag vor 30 Jahren noch spannend gewesen sein, aber irgendwann muss es auch mal gut sein. Von Schirachs Roman bietet nichts Neues, auch die Herangehensweise an das Thema fand ich sehr einseitig und die unausgesprochenen Schuldzuweisungen doch etwas zu penetrant.

Schade, denn stilistisch ein kleines Meisterwerk bietet dieser Roman inhaltlich weder Neues, noch besonders Spannendes, sondern behandelt ein völlig ausgelutschtes Thema. Schirach hat hier vieles verschenkt, denn wie seine bisher veröffentlichten Kurzgeschichtenbände beweisen, ist er durchaus in der Lage, einen komplexen Fall auch psychologisch zu durchleuchten, ohne zu werten und ohne den Zeigefinger zu erheben.


Ferdinand von Schirach – Der Fall Collini
Piper Verlag, September 2011
ISBN 3492054757
208 Seiten
16,99 Euro

Playing with Fire

Da ich nach 12 Karen Moning Büchern (davon 5 innerhalb von weniger als 4 Wochen) richtig Blut geleckt hatte im Bereich Paranormal Romance und leider bisher nur diese 12 Bücher der Autorin erschienen sind, habe ich mich auf die Suche nach “Ersatz” gemacht (obwohl Helden wie Jericho Barrons ♥ und Dageus McKeltar ♥ natürlich sowieso einmalig sind, oft kopiert und nie erreicht!). Bei meinen Recherchen stieß ich u.a. auf Playing with Fire. Der Plot hörte sich interessant an, der Schreibstil schien witzig zu sein, und es ist in der 1. Person geschrieben – ich liebe diese Erzählweise und bevorzuge Bücher, die in der “Ich-Form” geschieben sind.

Es fing dann auch wie erwartet lockerflockig an. Die 24jährige Heldin Belle Jamison war mir direkt sympathisch mit ihrem lockeren Mundwerk und ihrer Unangepasstheit bzw. Schusseligkeit.
Der Plot: Durch ein “Versehen” schüttet ein Wissenschaftler eine Substanz in Belles Kaffee, welche sie zunächst bewusstlos werden lässt und ihr darüber hinaus übermenschliche Kräfte verleiht: Sie kann die 4 Elemente beherrschen. In der Praxis sieht das so aus, dass durch ihre Gedanken bzw. Emotionen zB Wind, Eis, Feuer oder Regen hervorgerufen werden können.
Da Belle diese Fähigkeiten noch nicht kontrollieren kann, stellt sie eine Gefahr für andere dar und soll von dem schnieken PSI-Agenten Rome “neutralisiert” (sprich: getötet) werden. Weil Belle aber ebenso schnieke ist, verliebt sich Rome unsterblich in sie und beschließt, sie zu retten und für seine Zwecke einzusetzen. Namentlich die Rettung seiner kleinen Tochter Sunny vor anderen bösen Mächten.

Sobald sie aus ihrer Ohnmacht erwacht, entbrennt Belle sprichwörtlich für sexy Rome… Und da liegt auch der Hund begraben: Die gegenseitige Zuneigung kann nicht ausgelebt werden, da Belle beim kleinsten Anflug von Wut oder Lust Flammen schlägt. Ein Jammer!!
Was mir so ein bisschen gefehlt hat in diesem Buch waren echte Konflikte. Die beiden Helden verzehren sich nacheinander, und es fällt ständig das Schlagwort “when this is over…” (…gehen wir endlich mal miteinander in die Kiste). Und als Leser fragt man sich – ja warum eigentlich? Warum nicht jetzt? Was muss over sein? Denn die Sache mit dem Feuer löst Rome relativ schnell auf geschickte Art und Weise. Was hindert die beiden also? (Als es dann irgednwann doch endlich mal dazu kommt, sind die Sexszenen leider ziemlich… naja. Abgedroschen wäre eventuell das richtige Wort.)

Im weiteren Verlauf der Geschichte tauchen noch etliche Pseudoproblemchen in Form von Ex-Frauen und dergleichen auf. Aber mir war das alles zu oberflächlich. Vermisst habe ich außerdem eine sich langsam aufbauende Spannung zwischen den beiden. Vllt bin ich von Moning zu verwöhnt, aber in ihren Romanen gibt es immer dieses unsichtbare Gummiband zwischen den Protagonisten: Die Mädels sträuben sich, und zwar oft mit gutem Grund zum Misstrauen – aber nach und nach erliegen sie dann doch dem Charme des breitbrüstigen Helden, der im Grunde seines Herzens ein netter Kerl ist.
Bei Rome und Belle habe ich das nicht so empfunden. Da war das einzige Pseudoproblem die Sache mit dem Feuer. Außerdem hat mich Romes Gequatsche ein bisschen genervt. Er nennt Belle immer “Baby”, das kann ich gar nicht haben. Überhaupt war er mir ein bisschen zu seicht und zu “nett”. Zwar knackig und sexy, aber manchmal hat er auf mich eher wie ein liebenswerter Trottel gewirkt, und ich glaube kaum, dass das so beabsichtigt war.
Spannend fand ich dagegen das Geheimnis um Romes Identität. Es wird mehrfach angedeutet, dass er zu Beginn seiner Agententätigkeit an einem Experiment teilnahm, durch welches seine DNA veränderte. Dadurch erklären sich zB er in der Dunkelheit sehen kann. Ich als noch etwas ungeübte Paranormal Romance Leserin war daher auch sehr überrascht, als schließlich enthüllt wurde, dass Rome ein Gestaltwandler ist und ab und zu als Jaguar in Erscheinung tritt. Noch mehr überrascht hat mich die Tatsache, dass mich dieser Umstand überhaupt nicht erschüttert hat – war doch dieser ganze Magier-Gestaltwandler-Pipapo noch vor gar nicht langer Zeit etwas, was in mir einen starken Fremdschämreflex hervorgerufen hat. Aber inzwischen hat wohl der Gewöhnungseffekt eingesetzt.

Ein insgesamt sicherlich nettes Buch mit liebenswerten Charakteren, das allerdings etwas arg seicht und ohne sonderlich glaubhafte oder interessante Konflikte vor sich hin plätschert und mehr oder weniger von Belles witziger Erzählweise lebt. Leider auf gar keinen Fall Moning-ersatzwürdig. Vielleicht lese ich trotzdem irgendwann mal die Fortsetzung Twice as Hot.
Das Buch ist bisher nur in Englischer Sprache erschienen.


Gena Showalter – Playing with Fire
Harlequin, Oktober 2009
ISBN 0373773919
384 Seiten