Die Eindringlinge

Ein absolut seltsames Buch, bei dem man streckenweise überhaupt nicht weiß was einem der Autor da eigentlich zu verkaufen versucht. Dabei fing es so temporeich an, und gefreut hatte ich mich eiiigentlich auf einen Thriller (steht ja auch drauf, nech? Wenn ich Thriller kaufe, will ich auch Thriller haben. Gefälligst!)
Leider verliert das Buch, das an sich spannend und gut erzählt beginnt, sehr schnell an Tempo und dümpelt über hunderte von Seiten unmotiviert vor sich hin, um dann mysterylastig vollends abzudriften. Der ständige Wechsel zwischen mehreren Perspektiven und Zeiten ist nach einer Weile nicht mehr spannend, sondern langweilig und ermüdend, weil aber auch so gar kein Licht ins Dunkel kommen will.

Protagonist Jack Whalen, ein Ex-Bulle, sieht sich mit seltsamen Ereignissen konfrontiert, in die auch seine Frau verwickelt zu sein scheint. Der Verdacht des Ehebruchs steht im Raum, wird aber dadurch verwässert, dass ein ehemaliger Schulfreund sich wegen einer dubiosen Mordsache an Jack wendet und seine Hilfe sucht. Dieser Plot wird bis zur Unkenntlichkeit in die Länge gezogen, und irgendwann hatte ich das Interesse an den Hintergründen leider komplett verloren. Es war eh kein Ende in Sicht.

In zusammenhangslosen Rückblicken mischen sich nach und nach immer mehr Mystery-Elemente in die Handlung, von denen man keinen Schimmer hat, in welche Richtung sie eigentlich gehen oder was sie mit dem anderen Handlungsstrang zu tun haben.
Gegen Ende gewinnt  der Roman dann unerwartet doch wieder an fahrt (sofern man bis dahin durchgehalten hat), allerdings ist die Auflösung des Ganzen derart an den Haaren herbeigezogen, dass ich mich geärgert habe, dafür so viel Zeit verschwendet zu haben.

Eine zutiefst unlogische und geradezu lächerlich weit hergeholte Geschichte, bei der versucht wurde, Logik und stimmige Erzählkonstruktion durch flapsige Charaktere und pseudospannende Nebenhandlungen zu kompensieren.


Michael Marschall – Die Eindringlinge
Knaur Verlag, Juli 2011
ISBN 3426501171
512 Seiten
9,99 Euro

Auf Treu und Glauben

Seit fast 20 Jahren ermittelt der Venezianische Commissario Guido Brunetti in seiner Heimatstadt. Seit fast 20 Jahren lieben ihn seine “Fans” für seine besonnene und mitfühlende Art und Weise. Und Donna Leon für ihre spannenden Kriminalfälle und die Familie Brunetti.

Aber irgendwie scheint so langsam wirklich die Luft raus, das muss man leider ganz klar so sehen. Ich habe alle 19 Fälle/Bücher gelesen. Was anfangs noch eine spannende, intelligente und einfühlsame Krimiserie war, verkommt mehr und mehr zur Pflichtübung. Aus alter Tradition liefert Frau Leon Jahr für Jahr einen neuen “Brunetti” ab. Jahr für Jahr freue ich mich drauf, obwohl ich es schon seit geraumer Zeit besser weiß: An die Qualität der Bände aus den Anfangsjahren reichen die “Neuen” schon längst nicht mehr heran.

Der vorliegende 19. Fall Auf Treu und Glauben setzt dem Ganzen die Krone auf. Ich muss mich, eine Woche nach dem Lesen des Buches, schon anstrengen, um mich überhaupt noch daran zu erinnern, worum es in eigentlich ging. Daran krankten schon die letzten 2, 3 Brunettis: Es fehlt an Struktur, es fehlt an einem wirklich spannenden Kriminalfall. Leons Krimis waren nie laut, schnell und blutrünstig. Aber immer gut konstruiert und spannend bis zum Schluss.
Diesmal geht es um… ja, worum geht es eigentlich? In erster Linie ist es heiß in Venedig. Sehr heiß. Nichts so wahnsinnig ungewöhnliches im Sommer, aber doch immerhin wichtig genug, um es beinahe zum Hauptgegenstand des Romans zu machen. Paola Brunetti und die beiden “Kinder” werden kurzerhand in den Urlaub nach Tirol verbannt. Brunetti muss daheim bleiben und in Venedig (wo es sehr heiß ist, falls das keiner mitbekommen haben sollte) ermitteln. Das Mordopfer ist ein kleiner Beamter, von allen als korrekt und freundlich beschrieben von niemandem so wirklich gemocht. Mit Mitte 50 lebt er noch bei seiner Mama, und Brunetti und sein Assi Vianello sollen rauskriegen, der dem armen Mann (bei der Hitze!!) eins über den Schädel gebraten hat.

Die Ermittlungen schleppen sich so dahin (es ist aber auch recht heiß in Venedig…). In erster Linie sitzen Brunetti und Vianello beim Kaffee oder essen Sandwiches und klönen ein bisschen über den Fall. Die alte Leier über die Ungerechtigkeit der Welt, das Ungleichgewicht der Machtverhältnisse und die Bestechlichkeit der italienischen Beamten. Nebenbei besprechen sie noch die Probleme mit Vianellos Tante (gähn…), die all ihr Geld zu einem Wahrsager trägt und sich ausnutzen lässt.  Selbst von mir sonst so sehr geschätzte Signorina Elettra ist inzwischen nur noch zu einem Abziehbild ihrer selbst verkommen.

Dieser “Fall” war nicht spannend, die Ermittlungen schon gar nicht. Es zog sich wie Kaugummi, und am Ende  hatte ich schon fast vergessen, wer überhaupt ermordet worden war. Lieblos und stereotyp werden die Charaktere gezeichnet, es ist nichts mehr übrig geblieben von den einst so intellektuellen Gesprächen und philosophischen Erörterungen Brunettis.
Er ist müde, so scheint mir, und vermutlich trifft das auch auf seine Schöpferin zu. Ich werde Brunettiromane lesen, solange welche veröffentlicht werden, einfach weil man die Hoffnung so ungerne aufgibt, dass da vllt doch nochmal was kommt, das einen mitreißt und an alte Glanzzeiten anknüpfen kann. Allerdings hoffe ich das schon seit Jahren – vergeblich.

Insgesamt wirklich kein Buch, das man gelesen haben muss – allenfalls Pflichtlektüre für eingefleischte Fans. So rein der Vollständigkeit halber.


Donna Leon – Auf Treu und Glauben
Diogenes Verlag, Mai 2011
ISBN ISBN-10: 3257067763
315 Seiten
22,90 Euro

Kein Entkommen

Woran liegt das eigentlich, dass so viele Autoren mit der Zeit immer schlechter werden? Linwood Barclay gehört leider auch dazu, allerdings dürfte mit seinem neuesten Roman der absolute Tiefpunkt erreicht sein, so dass ggf. noch etwas Hoffnung besteht. Seinen 2007 auf Deutsch erschienenen Erstling Ohne ein Wort habe ich inhaliert. Das Buch war spannend geschrieben, hatte gute und solide Charaktere mit Identifikationspotenzial und einem wirklich tollen Überraschungs-WOW-Effekt am Ende (zumindest für mich).

Nach und nach wurden die Bücher dann schwächer, aber spannend fand ich sie immernoch. Kein Entkommen ist sein 4. auf Deutsch erschienenes Buch – und sterbenslangweilig!
Was sich im Klappentext und auf den ersten Seiten noch gut anliest und jede Menge Potenzial hat, flacht ganz schnell ab und verliert sich in komplizierten Nebenhandlungen. Durch einen ach so brisanten politisch angehauchten Nebenstrang versucht der Autor, den Leser zu fesseln, was leider misslingt, da ich zumindest nicht die Bohne daran interessiert war.

Erzählt wird teils aus der Perspektive David Harwoods in der Ich-Form und teils in der 3. Person aus einer Beobachterperspektive. Dadurch wird viel Spannung verschenkt, denn so weiß man eigentlich schon im 1. Drittel des Buches, was es mit dem Verschwinden von Jan Haarwood auf sich hat und kann eigentlich nur müde lächeln über die Suchaktionen ihres Ehemannes David. Ich fand ihn auch, obwohl er ja so viel zu erzählen halt, seltsam blass und nichtssagend, man erfährt sehr wenig über ihn und das, was man erfährt, lässt ihn leider so ein bisschen waschlappenmäßig wirken.
Das Buch hat darüber hinaus etliche Längen durch bis zum Gehtnichtmehr aufgeblähte Nebenhandlungen und eine Unzahl leiernder Dialoge, teils zu Nebensächlichkeiten wie Blumengießen und das Wetter *gähn*

Wenn man es schafft, sich tatsächlich durch die knapp 570 Seiten zu quälen, wird man mit einem völlig überzogenen und unnötig pathetischen Schluss belohnt.
Auf diesen Roman hatte ich mich wirklich gefreut, zumal auch die veröffentlichte Leseprobe viel Spannung verhieß. Leider wurde hier der Fehler gemacht, zu früh zu viel zu verraten und zudem unfassbar viel Nebensächliches eingebracht (das sollte wohl Spannung erzeugen durch Verwirrung der Leser? Man weiß es nicht, meinen Nerv traf es jedenfalls nicht.)

Linwood Barclay – Kein Entkommen
Ullstein Taschenbuch Verlag, April 2011
ISBN 9783548283487
571 Seiten
9,99 Euro

Das verlorene Symbol

Dan Brown ist super!
Da kann man auch mal locker 300 Seiten in der Mitte des Buches komplett überspringen und findet auf den letzten 150 Seiten nahtlos den Anschluss wieder ohne auch nur ansatzweise das Gefühl zu haben, man hätte irgendwas verpasst.

Illuminati und Sakrileg habe ich verschlungen, und obwohl Dan Brown Romane ja leider nach dem Schema “Kennste einen, kennste alle” funktionieren, habe ich es (lag mein letzter Brown doch schon Jahre zurück!) nochmal versucht. Spricht ja nix gegen solide Spannungsunterhaltung!
Das Problem mit diesem Buch ist folgendes: 1. der Autor redet einfach zu gerne und 2. das Buch schlägt nicht wirklich einen Spannungsbogen, sondern fängt spannend an, wird dann unfassbar dröge, um dann im letzten Viertel nochmal etwas aufzudrehen und in einen gähnend langweiligen Schluss zu münden.

Das verlorene Symbol besteht über weite, VIEL zu weite Strecken hinweg ausschließlich aus langatmigen philosophischen und pseudowissenschaftlichen Abhandlungen über die Freimaurer, die Menschheit und den Sinn des Lebens. Und damit es auch der tumbste Leser kapiert, wird alles gefühlt zwölfmal wiederholt. Brown beendet zwar jedes der über 130 Kapitel mit einem Cliffhanger, um sich dann im Folgekapitel in endlosen Beschreibungen und Erklärungen zu ergehen. Es wird jeder Atemzug und jeder Handgriff der Personen en detail beschrieben, ohne dass die Handlung auch nur im Geringsten voran käme.  Nach 250 Seiten war meine Bereitschaft, in diesem Stil noch ganze 500 weitere Seiten zu lesen, eindeutig am Ende. Da ich aber nun auch wissen wollte, was es mit diesem verdammten Symbol auf sich hat, habe ich einfach bei Seite 550 weitergemacht, sprich in der Mitte 300 Seiten ausgelassen. Das ist insgesamt über ein Drittel (!) des Buches, und es spricht nicht für den Autor, dass ich dennoch nahtlos wieder in die Handlung rein gefunden habe. Was auch immer im Mittelteil des Buches abgehandelt wurde – es war von keinerlei Wichtigkeit für das Verstehen des Romans. Schade ums Papier!

Die Charaktere – stereotyper gehts kaum, die kommen alle tief aus der Klischeekiste. Fand ich Robert Langdon in den beiden vorherigen Bänden eigentlich auch schon so schlimm? Altklug und belehrend kommt er daher, dieser Gutmensch, im Grunde seines Herzens ein Waschlappen, aber wenns der Wissenschaft dient, entwickelt er ungeahnte Kräfte – potztausend, was für ein Teufelskerl!! Ständig bedroht (weil er ja so viel weiß), ständig in Gefahr – aber ganz kurz vorm Abnibbeln hat er dann plötzlich immer DIE Idee zur Lösung des Problems und wird auf wundersame Weise gerettet! Gleiches gilt übrigens für fast alle anderen Figuren. Immer werden die Guten in allerallerallerletzter Minute doch noch gerettet, und geopfert werden allerhöchstens Nebenfiguren und natürlich die Bösen. Mir war das alles deutlich zu viel Heldenpathos. Sterbenslangweilig!

Die Idee der “Freimaurermysterien” hat mir an sich gut gefallen, wird aber so dermaßen aufgebauscht, dass man am Ende eigentlich nur enttäuscht werden kann bei der ganzen Erwartungshaltung, die sich unweigerlich aufbaut. Im Grunde war ich nur froh, als ich das Buch durch hatte, habe mich aber noch geärgert, weil so ein Gefühl von “Wie jetzt?” zurückbleibt – “Das wars?”
Das Buch hätte um mindestens 1 Drittel gekürzt werden müssen, um überhaupt noch spannend zu sein. Es genügt einfach nicht, jedes Kapitel mit einem künstlich aufgebauschten Cliffhanger zu beenden, wenn dann im Folgekapitel doch nur rumgeeiert wird und man sich von einer vorhersehbaren “Gefahr” zur nächsten hangelt.
Man steht sich ständig im Kreis, und die Handlung ist wirklich unüberbietbar in die Länge gezogen.

Negativ anmerken muss ich zudem auch wirklich mal das Gewicht des  Buches: Ein “Taschenbuch” mit fast 900 Gramm, ja gehts noch?? Es ist zwar die “illustrierte Ausgabe”, was aber lediglich bedeutet, dass sich über 750 Seiten verstreut circa 30 Fotos im Buch befinden. Ganz interessant, nice to have – aber nicht wirklich notwendig. Es hätte gereicht, wenn man einen mehrseitigen Fototeil auf hochwertigerem Papier eingefügt hätte, statt dessen ist das ganze Buch auf viel zu dicker Grammatur gedruckt und man schleppt sich fast kaputt.

Dan Brown – Das verlorene Symbol
Bastei Lübbe, März 2011
ISBN 9783404160006
752 Seiten
9,99 Euro

Elli gibt den Löffel ab

Selten blödes Buch! Titel, Beschreibung und Cover ließen einen schwung- und humorvollen Roman im Stile der “Papa”-Bücher von Dora Heldt erwarten. Leider habe ich für meinen Geschmack gar nichts davon bekommen. Leider schon wieder schlechtes Verlagsmarketing, das übers Ziel hinausschießt und den Leser bloß enttäuscht. Leider falle ich immer wieder drauf rein. Schon der Schreibstil ist unheimlich hölzern und wirkt sehr gekünstelt. Die Figuren, allen voran Elli, wirken wie gewollt und nicht gekonnt, und auch die Handlung will nicht so recht in die Gänge kommen. Ich vermisse Schwung & Schmackes, statt dessen plätschert alles so vor sich hin.

Elli ist völlig überzeichnet, wird mit ihren gerade mal 60 Jahren (ich finde das nicht wirklich “alt”!) als tattrige Alte dargestellt – völlig an der Realität vorbei! Humorvoll fand ich das Buch überhaupt nicht bzw WENN es das ist, dann gehts leider knapp an meinem Komikzentrum vorbei. Das Lustigste war noch der Buchtitel.

Erst ganz am Schluss kommt allmählich etwas Fahrt auf, und wenn man sich bis dahin durchgegähnt hat, so bekommt man wenigstens den Eindruck einer verschmitzten und lebensbejahenden Dame, die ihr Leben selbst in die Hand nimmt. Fragt sich nur, wieso das nicht gleich so sein konnte und der Leser mit gut 300 Seiten Gejammer gelangweilt werden musste.

Herbe Enttäuschung, den Vergleich mit Dora Heldt kann ich überhaupt nicht nachvollziehen.

Tessa Hennig – Elli gibt den Löffel ab
List Taschenbuch Verlag, März 2011
ISBN 3548610498
384 Seiten
8,99 Euro